
Warum es jetzt wichtiger denn je ist
In vielen Betrieben sind Stressfaktoren eine unterschätzte Gefahr. Die Stress Checkliste für Führungskräfte:unterstützt Führungskräfte dabei, Stressquellen systematisch zu erkennen, auszuwerten und mit konkreten Maßnahmen zu bearbeiten. Denn Stressmanagement beginnt bei der Führung.
In einer zunehmend komplexen Welt stehen Unternehmen vor großen Anforderungen: kürzere Reaktionszeiten, digitale Transformation, Fachkräftemangel, zunehmende Flexibilität und für viele Mitarbeitende steigen Druck und Stress. Wenn dieser Stress unbeachtet bleibt, hat das nicht nur Auswirkungen auf die Gesundheit der Personen, sondern auch auf Sicherheit, Qualität und Wirtschaftlichkeit.
Als Vorgesetzte tragen Sie eine Schlüsselrolle: Sie haben direkten Einfluss auf das Arbeitsumfeld, auf die Gestaltung von Abläufen und auf das Klima im Team. Studien zeigen, dass Stress in Betrieben ganz konkret messbare Folgen hat etwa durch mehr Fehlzeiten, Unfälle oder reduzierte Leistungsfähigkeit.
Mit der folgenden Stress Checkliste für Führungskräfte erhalten Sie ein Instrument, mit dem Sie als Führungskraft systematisch reflektieren können, wo im Betrieb Stress entsteht, welche Ursachen vorliegen und welche konkreten Maßnahmen notwendig sind. Danach folgt die Auswertung mit einem Punktesystem und schließlich, für jede Frage, konkrete Maßnahmen. So entsteht nicht nur Diagnose, sondern eine Handlungs‐Agenda.
Der Zusammenhang von Stress, Organisation und Führung
Im Arbeits‑ und Gesundheitsschutz wird häufig darauf hingewiesen, dass Stress‑ und Belastungsfaktoren systematisch erkannt und bearbeitet werden müssen – nicht nur einzelne Symptome behandelt werden sollten.
Bevor wir zur Checkliste kommen, ist es hilfreich, kurz zu verstehen, warum Stress entsteht und weshalb Führung und Organisation so entscheidend sind.
Stress entsteht nicht zufällig
Stress entsteht typischerweise dann, wenn Anforderungen (z. B. Zeitdruck, Unterbrechungen, hohe Komplexität) größer sind als Ressourcen (z. B. Zeit, Werkzeuge, Unterstützung, Kommunikation). Dies entspricht anerkannten Modellen wie dem „Job Demands‑Resources“ (JD‑R) Modell.
Wenn Mitarbeitende dauerhaft hohe Anforderungen ohne ausreichenden Ausgleich erleben, steigt das Risiko für Fehlzeiten, Burn‑out, Unfälle oder reduzierte Arbeitsqualität.
Führung beeinflusst indirekt, aber maßgeblich
Führungskräfte haben Einfluss auf Arbeitsorganisation, Gestaltung von Prozessen und das Teamklima. Gute Führung reduziert Unsicherheit, sorgt für Klarheit, vermittelt Wertschätzung und schafft Strukturen. Schlechte Führung kann dagegen Stress erhöhen z. B. durch mangelnde Kommunikation, Überlastung oder fehlende Unterstützung. Die Checkliste Stress für Führungskräfte bringt erste Anhaltspunkte.
Warum systematische Reflexion nötig ist
Oft werden Symptome gesehen – z. B. häufiger Krankenstand, Gereiztheit im Team, mehr Unfälle. Aber die Ursachen werden nicht systematisch bearbeitet: Zeit‑ und Organisationsmängel, Unterbrechungen, mangelnde Beteiligung, schlechtes Arbeitsklima etc. Die hier vorgestellte Checkliste hilft dabei, Ursachen aufzuzeigen und nicht nur Symptome.
Unsere Stress Checkliste für Führungskräfte bietet eine strukturierte Bewertung aller relevanten Faktoren.
Stress Checkliste für Führungskräfte: Wie stressresistent ist Ihr Team?
(Beanworten Sie jede Frage mit Ja, Teilweise oder Nein)
Stress‑Anzeichen erkennen
1. Haben Sie in Ihrem Betrieb Stressprobleme im Griff? (z. B. Beschwerden über Termin‑ und Arbeitsdruck, erhöhte Krankheitsabwesenheit, Zunahme von Unfällen oder Betriebsstörungen, Arbeitsklima geprägt von Ungeduld/Gereiztheit)
[ ] Ja [ ] Teilweise [ ] Nein
Stress‑Ursachen ausschalten
2. Steht genügend Zeit für eine gute Planung und Organisation der Arbeit zur Verfügung?
[ ] Ja [ ] Teilweise [ ] Nein
3. Sind die Aufgaben den Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angepasst? (keine länger dauernden oder immer wiederkehrenden Über‑ oder Unterforderungen)
[ ] Ja [ ] Teilweise [ ] Nein
4. Stehen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die notwendigen Werkzeuge und Unterlagen rechtzeitig und in ausreichender Menge zur Verfügung?
[ ] Ja [ ] Teilweise [ ] Nein
5. Funktioniert die sprachliche Verständigung zwischen den Einzelnen und zwischen den Teams?
[ ] Ja [ ] Teilweise [ ] Nein
6. Funktioniert die Zusammenarbeit a) innerhalb der Belegschaft, b) zwischen Vorgesetzten und Untergebenen,
c) unter den Vorgesetzten?
[ ] Ja [ ] Teilweise [ ] Nein
7. Wird dafür gesorgt, dass störende Umgebungseinflüsse wie Lärm, Staub, Hitze, Durchzug soweit möglich beseitigt werden?
[ ] Ja [ ] Teilweise [ ] Nein
8. Wird die Arbeit so organisiert, dass sie nicht immer wieder unterbrochen werden muss, z. B. wegen Kundenbesuchen, Telefonanrufen usw.?
[ ] Ja [ ] Teilweise [ ] Nein
9. Können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Arbeitstempo mit beeinflussen (z. B. die Maschine abstellen oder die Arbeit unterbrechen, wenn sie dem Tempo nicht mehr folgen können)?
[ ] Ja [ ] Teilweise [ ] Nein
Gutes Arbeitsklima schaffen
10. Werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Planung und Gestaltung der Arbeit mit einbezogen?
[ ] Ja [ ] Teilweise [ ] Nein
11. Können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Vorschläge und Kritik an die Vorgesetzten herantragen, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen?
[ ] Ja [ ] Teilweise [ ] Nein
12. Wird eine gute Zusammenarbeit im Team gefördert, z. B. durch Lob, offene Gespräche, Weiterbildungsanlässe, gemeinsame freiwillige Freizeitaktivitäten?
[ ] Ja [ ] Teilweise [ ] Nein
13. Werden Konflikte offen angesprochen und konstruktiv ausgetragen (nicht einfach unter den Teppich gekehrt)?
[ ] Ja [ ] Teilweise [ ] Nein
14. Werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter partnerschaftlich geführt (weder einfach sich selbst überlassen noch autoritär dirigiert)?
[ ] Ja [ ] Teilweise [ ] Nein
15. Sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrer Arbeitssituation zufrieden?
[ ] Ja [ ] Teilweise [ ] Nein
Mit der Stress Checkliste für Führungskräfte lassen sich Schwachstellen im Arbeitsalltag frühzeitig erkennen
Stress Checkliste für Führungskräfte: Punktesystem und Auswertung
(Beanworten Sie jede Frage mit Ja, Teilweise oder Nein)
- Ja = 2 Punkte
- Teilweise = 1 Punkt
- Nein = 0 Punkte
Maximalpunktzahl: 30 Punkte
| Punkte | Bewertung | Empfehlung |
| 26-30 | Geringes Stressrisiko | Gute Aufstellung – punktoelle Optimierung |
| 20-25 | Mäßiges Stressrisiko | Verbesserungen in mehreren Bereichen nötig |
| <20 | Hohes Stressrisiko | Systematischer Handlungsbedarf – dringend! |
Stress Checkliste für Führungskräfte: Interpretation & Maßnahmen
Wenn Sie unter 20 Punkte erreichen, deutet dies darauf hin, dass Stressfaktoren in Ihrem Betrieb wesentlich sind – und dies systematisch bearbeitet werden sollte. Zwischen 20 und 25 Punkten heißt: Es gibt mehrere Bereiche mit Verbesserungspotenzial. Bei 26 oder mehr Punkten sind Sie gut aufgestellt, sollten aber dennoch punktuell nachjustieren, um Prävention weiterhin sicherzustellen.
Wenn Sie unter 20 Punkte erreichen, deutet dies darauf hin, dass Stressfaktoren in Ihrem Betrieb wesentlich sind – und dies systematisch bearbeitet werden sollte. Zwischen 20 und 25 Punkten heißt: Es gibt mehrere Bereiche mit Verbesserungspotenzial. Bei 26 oder mehr Punkten sind Sie gut aufgestellt, sollten aber dennoch punktuell nachjustieren, um Prävention weiterhin sicherzustellen.
Eine zentrale Rolle bei der Stressprävention spielen die Führungskräfte selbst. Wie sie ihre Rolle reflektieren und weiterentwickeln können, zeigen wir auf unserer Seite zum Führungskräfte Training „Gesund führen“.
Quellenverzeichnis
Checkliste für Vorgesetzte „Stress“ www.suva.ch
OSHA (Occupational Safety and Health Administration):
Checklist for Senior Managers on Work-Related Stress
URL: https://www.osha.gov/sites/default/files/Checklist-Senior_Manager_508.pdf
ILO (International Labour Organization):
Psychosocial risks and work-related stress
URL: https://www.ilo.org/media/358911/download
BetterYou:
Are You Causing Employee Stress? A Manager’s Checklist
URL: https://www.betteryou.ai/are-you-causing-employee-stress-manager-checklist
Wikipedia:
Job Demands–Resources Model (JD-R-Modell)
URL: https://en.wikipedia.org/wiki/Job_demands-resources_model